Februar 2016

Verbrühungen und Verbrennungen bei Kindern

Dr. med. Bernd Richter

Löschen - Wunde kühlen - Notarzt rufen

Es sind die schmerzhaftesten Verletzungen überhaupt: Wenn die Schale mit heißem Kamillentee, die gerade in der kalten Jahreszeit gerne zum Inhalieren bei Kindern eingesetzt wird, durch lebhafte Bewegungen der Kleinen, umgestoßen wird, so ergießt sich die heiße Flüssigkeit über Bauch und Beine und hinterlässt bleibende Narben.  
Neben heißem Wasser oder Dampf, die Verbrühungen erzeugen, zählen Flammen, der Kontakt mit heißen Gegenständen oder Ölen, mit Säuren, Strom oder die Einwirkung von Sonnenstrahlen zu den Verursachern unterschiedlich stark ausgeprägter Verbrennungen. Problematisch ist, dass das Ausmaß der thermischen Verletzung für den Laien ziemlich schwer einzuschätzen ist. Die Symptome entwickeln sich relativ langsam und lassen den tatsächlichen Schweregrad oft recht spät erkennen. Ein Kind mit akuten Verbrühungen oder Verbrennungen gehört auf schnellstmöglichen Weg ins Krankenhaus zu einem dortigen Spezialisten.
Allein im Jahr 2015 hat die Kinderchirurgie am Christlichen Kinderhospital Osnabrück knapp 60 kleine und kleinste Patienten mit Verbrühungen und Verbrennungen behandelt. Beinahe die Hälfte von diesen Kindern musste stationär aufgenommen werden.  

Sofortmaßnahmen: Wenn sich ein Kind verbrüht oder verbrannt hat, steht Kühlen mit Wasser an erster Stelle! Um weitere Hitzeeinwirkung auf die Haut zu vermeiden, sollte möglichst sofort durch die Kleidung hindurch das betroffene Areal mit kühlem Wasser abgeduscht werden. Dann sollte die Kleidung ausgezogen oder sogar mit der Schere weggeschnitten werden. Kälteres Wasser soll man nicht anwenden, damit es nicht zur Unterkühlung des Kindes kommen kann. Bei kleinflächigen Verbrennungen wird die betroffene Stelle so lange unter kaltes fließendes Wasser gehalten, bis der Schmerz nachlässt. Das kann einige Minuten in Anspruch nehmen. Eis, Eisspray und Mehl, Öle, Salben, Puder oder ähnliche „überlieferte Helfer“ auf gar keinen Fall anwenden, da sie bei Wundkontakt mehr schaden als helfen.
Kleinere Verbrühungen oder Verbrennungen sollten am besten an der Luft abheilen, sofern sie nicht allzu viele Schmerzen bereiten. Schwergradigere Verbrennungen sollten mit einem möglichst sterilen oder sauberen, fusselfreien Tuch abgedeckt werden. Und dann auf direktestem Weg ins Krankenhaus.
In jedem Fall ist die Verbrühung oder Verbrennung für die kleinen Patienten eine der größten Schmerzbelastungen, die es auszuhalten gilt. Bereits ein verbrannter Arm kann für ein Kind lebensbedrohlich sein und führt in der Folge zu Schock und Unterkühlung. Unbedingt sollte es in diesem Zustand Beruhigung erfahren und warm gehalten werden, bis der Rettungsdienst eintrifft.
Diesem Schreckensszenario können Eltern mit guter Umsicht und Vorsorge vorbauen: Die folgende Auswahl von Empfehlungen ist der Website von Paulinchen e.V. entnommen, einer Elterninitiative für brandverletzte Kinder, die Rat und weiterführende Informationen zum Thema  bereithält  Die Präventionsmaßnahmen sind auch auf englisch, türkisch, russisch, polnisch und arabisch erhältlich. »Generell gilt die Wasserdampf - Inhalation vor offener Schale mit einem Tuch über dem Kopf, für Kinder als ungeeignet«, wie Dr. Richter, Chefarzt der Kinderchirurgie am Christlichen Kinderhospital Osnabrück aus der Praxis des Klinikalltags zu berichten weiß. »Der Anprall des Dampfes, der ja immer heiß ist, erschreckt die Kinder und kann unerwartete Bewegungen auslösen, die im schlimmsten Fall das Gefäß mit der heißen Flüssigkeit zum Umstürzen bringen. Dagegen ist die Inhalation mit Kompressorverneblern, die man in vielen Apotheken ausleihen kann, für die Kleinen als geeignet einzustufen.« Neben der physiologischen Kochsalzlösung (0,9%) können nach kinderärztlichem Rezept zudem auch schleimlösende oder die kleinen Bronchioli erweiternde Substanzen hinzugesetzt werden, die man mit dem Rezept vom Kinderarzt dann in der Apotheke erhält.
Damit hat das Kind in der kalten Jahreszeit eine rundum gute, zuverlässige und gefahrlose Versorgung seiner Atemwege erhalten.  

(Paulinchen -  Initiative für brandverletzte Kinder e.V., Segeberger Chaussee 35, 22850 Norderstedt, Tel. 040 529 50 666, E-Mail: info@paulinchen.de, website: www.paulinchen.de)

  • Essen oder trinken Sie niemals etwas Heißes, wenn ein Kind auf Ihrem Schoß sitzt oder Sie es auf dem Arm haben. Kinder versuchen die Tasse, das Glas, den Teller zu erreichen, um zu sehen, was darin ist.        
  • Stellen Sie Tassen oder Kannen mit heißen Getränken weit weg von der Tischkante.
  • Verwenden Sie keine herunterhängenden Tischdecken.
  • Achten Sie auf herabhängende Kabel, z.B. bei einem Wasserkocher.
  •  Kochen Sie auf den hinteren Herdplatten.
  • Stellen Sie Töpfe und Pfannen immer mit dem Griff nach hinten auf den Herd.
  • Sichern Sie das Kochfeld mit einem Herdschutzgitter, damit Ihr Kind nicht auf heiße Platten fassen oder Töpfe mit heißem Inhalt auf sich herabziehen kann.
  • Halten Sie Ihr Kind von heißen Backofentüren und Kaminöfen fern.